Kategorie-Archiv: Gast Autoren

„Wir Wunderkinder“ THEATTRAKTION im Kulturwerk Wissen

Das Ensemble THEATTRAKTION zeigt im Kulturwerk Wissen am Samstag den 29. Oktober 2011 um 20:00 Uhr:
„WIR WUNDERKINDER“ Die frühen Jahre unserer Republik

Gast Autoren Beitrag von Carl Gneist;  Autor und Theatermacher; Texter und Regisseur

Carl Gneist

THEATTRAKTION: Ein Name, der viel verspricht: Theater, Attraktion und Aktion!

Wer und was steckt hinter THEATTRAKTION?

Das Altenkirchener Theaterensemble um ihren Texter und Regisseur Carl Gneist wurde im Jahre 2006 gegründet und hat sich schnell bekannt gemacht in der Region und darüber hinaus.

Sie treten auf mit szenischen Lesungen wie z. B. „Hungrig bin ich, will deinen Mund“ über den chilenischen Nobelpreisträger Pablo Neruda und „Vom Menschen zum Unmenschen“ über die sogenannte „Reichskristallnacht“ 1938.

Sie führten das gesellschaftskritische Theaterstück „Top Dogs“ auf (Premiere beim Spiegelzelt-Festival in Altenkirchen 2008). Und sie haben vor allem das Format des „Literarisch-theatralischen Salons“ entwickelt mit den Themen: „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ und „Die Liebe hat immer Recht!?“  Jetzt wird wieder ein neuer Salon mit dem Titel

„Wir Wunderkinder“ eröffnet über die berühmt-berüchtigten Fünfziger Jahre.

 

Das Altenkirchener Theaterensemble

Um was geht es?

Nach dem Zweiten Weltkrieg mit 50 Millionen Toten, den sie verschuldeten, ist Deutschland am Boden, zerstört, verachtet und isoliert.

Da richten sich die Menschen wieder auf, und das sogenannte „Wirtschaftswunder“ beginnt. Die Deutschen verdrängen die Erinnerung an das große Morden mit Heimat- und Liebesfilmen und schnulzigen Schlagern. Sie reisen in fremde Länder und werden wieder dick nach den Hungerjahren der Nachkriegszeit. Und eine halbstarke Jugend begeistert sich für eine neue Musik, den Rock ´n Roll.

Aber es herrscht auch die Angst vor der Weltvernichtung. Die USA und die Sowjetunion drohen einander mit der Wasserstoff-Bombe. Und immer noch kommen Spätheimkehrer aus den Gefangenenlagern Russlands nach Deutschland zurück.

Das Altenkirchener Ensemble THEATTRAKTION betrachtet in seinem neuen „Literarisch-Theatralischem Salon“ die frühen Jahre unserer Republik kritisch, aber auch unterhaltsam und lässt sie für einen Abend wieder auferstehen, mit eigenen Theaterszenen und mit eigenen Texten, mit Filmausschnitten, und mit Live-Musik der damaligen Zeit. Nach Vorstellungen in der Altenkirchener Stadthalle und im Programmkino „WiedScala“, die beide vollständig ausverkauft waren, wird das neue Programm ” Wir Wunderkinder ” THEATTRAKTION im Kulturwerk Wissen auf die Bühne gebracht.

Eintrittskarten sind erhältlich im  Kulturwerk-Wissen.de , bei der Buchhandlung Liebmann in Altenkirchen ( 02681/2751 ) und bei der Buchhandlung Pagel in Hachenburg ( 02662 / 7518 ) in zwei Kategorien für 16€ (Bistrotisch)/ ;   12€ (Reihenbestuhlung), ermäßigt 12€ bzw. 8€.


Buga Rheinland Pfalz, Zusammenarbeit mit Werkstätten

Buga Büro Rheinland-Pfalz

Pressemitteilung:

Rheinland-Pfalz: einfach einmalig Zusammenarbeit mit Rheinwerkstatt Boppard, Rhein-Mosel-Werkstatt Koblenz, Stiftung Heime Scheuern und AWO  auf der BUGA 2011

Die Tage im Oktober beginnen kühl, morgens liegt Tau auf den Stühlen und Tischen vor der Rheinland-Pfalz-Bühne auf der Festung Ehrenbreitstein. Würden sich Besucher der Bundesgartenschau 2011 dort hinsetzen und entspannt anschauen, was auf der Bühne geboten wird? Sicher nicht. Also: Trocken machen. Die zwei Männer von der Rheinwerkstatt Boppard sind schon mittendrin: Tische und Stühle abwischen, die Bodenfläche rund um die Bühne rechen, hier und da noch Müll aufsammeln, die roten Decken für die Zuschauer verteilen – nach kurzer Zeit lädt der Platz vor der Bühne zum Verweilen ein.

Bernd Busch von der Rheinwerkstatt Boppard recht den Platz vor der RLP-Bühne

Bernd Busch und sein Kollege gehören zu den zahlreichen Helfern rund um die Rheinland-Pfalz-Bühne und das Rheinland-Pfalz-Haus, die aus Werkstätten für Menschen mit Behinderungen bzw. psychischen Erkrankungen kommen. Mit vier Einrichtungen arbeitete das Buga Büro Rheinland-Pfalz für die Dauer der gesamten BUGA zusammen:

Rheinwerkstatt Boppard, Rhein-Mosel-Werkstatt Koblenz, Stiftung Heime Scheuern und Arbeiterwohlfahrt. Bernd Busch, der mit 17 anderen Kollegen im Wechsel Auf- und Umbaumaßnahmen an der Bühne und im Rheinland-Pfalz-Haus übernahm, hat die Zeit seines Einsatzes auf der BUGA sehr genossen: „Die Zusammenarbeit war gut, die Kollegen nett und das Programm auch.“ Besonders beeindruckt hat ihn, dass sich wirklich alle Regionen von Rheinland-Pfalz auf der Rheinland-Pfalz-Bühne präsentiert haben.

Mit Luftballons, Rheinland-Pfalz-Ansteckpins, Bonbons und dem jeweils aktuellen Programm der Rheinland-Pfalz-Bühne in der Hand begrüßten sie die BUGA-Besucher, die den Platz vor dem Rheinland-Pfalz-Haus passierten: Insgesamt 18 Leute aus den Betriebstätten Koblenz I, Koblenz II und Weißenthurm der Rhein-Mosel-Werkstätten bestritten jeweils in Dreierteams ihre Einsätze auf der BUGA zwischen 9 und 15 Uhr, bei Wind und Wetter. Sonnencreme, lange Unterwäsche, Tipps und Tricks für die Wetterkapriolen dieses Sommers?

Die drei, die an diesem Morgen ihr Material sortieren, lachen nur. „Einer aus dem Team hatte mal einen Sonnenstich, aber ansonsten lief alles problemlos“, meint Markus Landen. Pro Tag verteilen sie 1000 Anstecker, 200 Luftballons, drei Beutel Bonbons und in einer Woche 4500 Programmflyer. „Manche Besucher wollen generell nichts, manche nehmen alles, was sie kriegen können“, beschreibt Claudia Stablo ihre Beobachtungen der BUGA-Gäste.

Normalerweise arbeitet sie in der Kleinmontage in der Werkstatt, wie für ihre Kollegen Markus Landen und Ehrenfried Köhler ist es ihr erster Einsatz außerhalb der Werkstätten, einer, der sehr viel Spaß macht: „Wir werden das alles vermissen, die Besucher, die Kollegen, mit denen wir zusammengearbeitet haben“, sagt Markus Landen.

„Die Besucher sind freundlich, man trifft auch Bekannte und man kann manchmal auch etwas vom Programm mitbekommen, das auf der Bühne stattfindet.“ Zum Beispiel Manfred Gniffke mit seinem Vortrag „Kowelenz von owe“, der Claudia Stablo immer wieder gut gefallen hat. Markus Landen und Ehrenfried Köhler dagegen begeisterten die vielen verschiedenen Musikgruppen, besonders natürlich der Auftritt der „eigenen“ Band: Die „Handycaps“ der Rhein-Mosel-Werkstatt.

„Unser Einsatz auf der BUGA hatte zwei Aspekte, die gleich wichtig waren: Die Beteiligung von Menschen mit Behinderung an Arbeitsprozessen und die Beteiligung am Programm der Rheinland-Pfalz-Bühne“, erklärt Beate Kretschmann von der Stiftung Scheuern. „Wir sind mit unserem Chor und der Band ‚Die fliegenden Noten‘ an zwei Tagen aufgetreten.

Es hat unseren Leuten unglaublich viel Freude bereitet mitmachen zu können, sie waren stolz, dass ihre Beiträge auf so viel Interesse gestoßen sind.“ Hier fängt für Beate Kretschmann Integration an: Mit den Besuchern ins Gespräch kommen, die direkte, unkomplizierte Begegnung zwischen Menschen mit und ohne Behinderung.

„Bei unseren Bühnenhelfern kommt noch etwas dazu: Sie merken, dass sie ihre Aufgaben stemmen können, sie entwickeln sich weiter, gewinnen an Selbstvertrauen hinzu.“ Direktor Eckhardt Bahlmann und Bernd Feix, Leiter des Bereichs Arbeit bei der Stiftung, sind sich einig: „Wir sind richtig stolz auf unsere vier Kollegen, die in hervorragender Weise unsere Stiftung vertreten haben und auch ganz persönlich durch ihren Einsatz die Chance genutzt haben, sich für eine Tätigkeit außerhalb unserer Werkstatt zu empfehlen.

Ein Beispiel gelebter Inklusion!“ Auch ein Gewinn für das Land Rheinland-Pfalz: „Ich danke den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Werkstätten und Einrichtungen für ihren überaus erfolgreichen Einsatz. Sie haben mit ihrer Leistung maßgeblich dazu beigetragen, dass die Rheinland-Pfalz-Bühne an 185 Tage eine besondere Attraktion der BUGA war“, lobt Innenminister Roger Lewentz.

Sophia Rösler, Bildungskoordinatorin der Rhein-Mosel-Werkstatt,  spricht ebenfalls von einer Erfolgsstory: „Wir haben unsere Leute mit einem Fragebogen über ihre Erfahrungen während ihrer Beschäftigung auf der BUGA befragt. Bei allen zeigt sich, dass sie auch in Zukunft offen für Einsätze dieser Art sind, dass sie Mut haben, sich auf Neues und Unbekanntes einzulassen – damit haben wir unser Ziel erreicht!“ Wie spricht man wildfremde Menschen an, um ihnen Programme oder Ballons anzubieten? Selbst Menschen ohne Behinderungen stehen in diesem Fall vor einer Herausforderung.

Defizite der Teilnehmer des BUGA-Einsatzes glich man bei der RMW im Vorfeld durch Gespräche und Schulungen aus. Vor Ort wurden die Menschen, die bisher die Arbeit in geschützten Werkstätten gewohnt waren, von Fachkräften begleitet. „Die heute vielbeschworene Inklusion bedarf einer ständigen Begleitung und einer verlässlichen Kontaktmöglichkeit durch Betreuer“, erklärt Sophia Rösler.

„Auch wenn der organisatorische Aufwand umfangreich ist: Außenarbeitsplätze bleiben auch weiterhin unser Ziel.“ Beate Kretschmann von der Stiftung Scheuern pflichtet dem bei: „Unser Berufsbildungs- und Integrationsservice ist eine gute Basis, aber natürlich sind wir angewiesen auf Partner und Unternehmen in der Region, die bereit sind für eine Zusammenarbeit mit uns. Wir hoffen, dass die BUGA in dieser Hinsicht als Türöffnern funktioniert.“

Markus Breibach und Steffen Born von der Stiftung Scheuern beladen ein E-Caddy

Georg Schafheutle und Michael Schwarze, die im Auftrag der AWO kommen, übernehmen immer am späteren Nachmittag alle noch anfallenden Aufräumarbeiten. Sie arbeiten im Hintergrund, genau wie die vier Männer von den Werkstätten der Heime Scheuern.

Gemeinsam mit den Boppardern kümmern sich Steffen Born, Markus Breibach, Patrick Kreer und Patrick Müller auch um den Platz vor der Bühne, fassen bei Aufbau- und Umbauarbeiten mit an.

Ihre Tätigkeitsschwerpunkte sind jedoch die Transporte für die Mitwirkenden der Rheinland-Pfalz-Bühne. Ob nun das Akkordeon-Orchester mit seinen Instrumenten, Technik oder Dekorationsmaterial, das von den Vereinen und Verbänden an und auf der Bühne gebraucht wird – die Männer der Heime Scheuern transportieren alles sicher und zuverlässig auf den E-Caddys von den Parkplätzen an der Fritsch-Kaserne zur Bühne und auch wieder zurück.

„Wir haben viel Lob von den Vereinen bekommen“, freut sich Steffen Born. Vom Caddy gefallen ist ihnen nichts. Und zwischen ihren Einsätzen hatten sie manchmal sogar Zeit, um etwas vom Programm auf der Bühne zu genießen.

Was bleibt? Ein Traum! Steffen Born lacht: „Ein Einsatz auf der IGS in Hamburg 2013!“