Westerwälder Autoren stellen sich vor! Michaela Abresch

Nachgefragt! Interviews mit Autoren !Heute darf ich die Westerwälderin Michalea Abresch im Interview begrüßen!

Mein Name ist Michaela Abresch, ich wurde im Westerwald geboren, bin dort aufgewachsen und lebe inzwischen seit über zwanzig Jahren mit meiner Familie in Dierdorf. Beruflich bin ich in einer Einrichtung der Eingliederungshilfe tätig, in der Funktion der beratenden Michaela AbreschPflegefachkraft. Nach mehreren Veröffentlichungen in verschiedenen Anthologien erschien 2012 im Hamburger ACABUS-Verlag mein erstes Buch: Das Mirakelbuch – Historische Erzählungen aus dem Westerwald.

In Kürze wird, ebenfalls im ACABUS-Verlag, mein historischer Roman Ostrakon – Die Scherbenhüterin zur Veröffentlichung kommen.

Woher bekommen Sie die Ideen für Ihre Romane und Geschichten?

Ich glaube, eine gewisse Offenheit für Inspiration ist eine gute Voraussetzung, um Ideen zu finden. Es braucht meist nur einen klitzekleinen Zündfunken, eine vage Idee, die noch nicht richtig zu greifen ist – ausgelöst durch etwas, das man z.B. gelesen hat, durch eine bestimmte Art Musik, den Anblick einer Landschaft, eine besondere Stimmung, etwas, das einem gerade durch Kopf und Herz geht.

Ein Beispiel, das mir sehr lebendig in Erinnerung ist: Als ich die Geschichten für das Mirakelbuch schrieb, habe ich alle Orte besucht, die ich als Schauplätze ausgewählt hatte, so z.B. die Ruine der Isenburg im Sayntal, für mich immer schon ein sehr mystischer, geschichtsträchtiger und geheimnisumwobener Ort. Nachdem ich eine Weile auf dem Gelände und in den Resten der einst so herrschaftlichen Burg umher gestromert war und das Mauerwerk unter meinen Händen gespürt hatte, blieb ich stehen und blickte über die teilweise noch erhaltene Burgmauer in die Weite des Sayntales. Und plötzlich hörte ich Pferdehufe den Burgweg herauf donnern, sah, wie sich die Angreifer wie ein Schwarm schwarzer Vögel auf dem Burggelände verteilten, hörte die Schreie der Mägde und dann entdeckte ich das Mädchen mit dem entstellten Auge, das von allen gemieden wurde, weil es trotz seines blinden Auges Dinge sah, die anderen verborgen blieben…

 Wie lange brauchen Sie für die Herstellung eines eigenen Buches?

Diese Frage kann ist kaum pauschal zu beantworten. An den Geschichten für mein Mirakelbuch habe ich im Schnitt jeweils 4-6 Wochen geschrieben. Für das Schreiben der ersten Fassung von Ostrakon-Die Scherbenhüterin habe ich etwas mehr als ein Jahr gebraucht, aber damit ist es ja nicht getan. Vor dem eigentlichen Schreibprozess steht die Recherche, die sehr viel Zeit beansprucht. Nachdem die erste Fassung geschrieben ist, folgen mehrere Überarbeitungen, wobei es sich als sinnvoll erweist, den Roman/die Geschichte zwischendurch immer eine Weile ruhen zu lassen, damit man einen anderen Blick hat, wenn man sich dem Text dann wieder zuwendet.

 Wieso schreiben und publizieren Sie Bücher

Als ich dreizehn war, begann ich davon zu träumen, einmal Bücher zu schreiben – ein Wunsch, der wie ein kleines Feuer in einem brennt, es lässt sich nicht löschen, weshalb man ihm Nahrung gibt, wieder und wieder. Viele Jahre schrieb ich nur für mich und sprach nicht mal darüber. Irgendwann aber erreichte ich  einen Punkt, an dem ich nicht mehr zufrieden damit, nicht mehr zufrieden mit mir selbst war. Ich wollte gut schreiben, besser werden, das Handwerk erlenen. Dieser Zeitpunkt war entscheidend, um Schreibkurse zu besuchen, mich einer Autorengruppe anzuschließen und vermehrt an meiner Technik zu arbeiten.

 Der Wunsch, meine Geschichten nicht in der Schublade liegen zu lassen, sondern sie zu teilen, ergab sich dann wie von selbst. Ich  glaube, dass es den allermeisten Menschen so geht, die sich künstlerisch ausdrücken. Jeder Künstler möchte etwas im Leser, im Zuhörer, im Betrachter berühren. 

 Welche Medien durchforsten Sie vor dem Bücher schreiben?

Heutzutage bietet das Internet eine Fülle an Möglichkeiten, um an Informationen zu gelangen. Das ist einerseits von unschätzbarem Wert, auf der anderen Seite aber auch fatal, denn man sollte sich bei der Recherche nie auf nur eine Quelle verlassen. Das Wälzen von entsprechender Literatur und Gespräche mit Fachkundigen sind deshalb ebenso wichtig.

Was war Ihre lustigste Recherche und warum?

 Ich habe eine Recherche in Erinnerung, die mich damals zum Schmunzeln gebracht hat. Für eine meiner Mirakelbuchgeschichten suchte ich Informationen über die Pestkatastrophe  1636 in Hachenburg. Ich hatte schon viel im Internet darüber gelesen, mich aber entschlossen, zusätzlich das Hachenburger Stadtarchiv aufzusuchen. Der Stadtarchivar begrüßte mich sehr herzlich und freute sich ganz offensichtlich, dass sein Besuch sich für Einzelheiten der Hachenburger Pestkatastrophe interessierte. Später, als ich die Treppe wieder hinunter stieg, fragte ich mich mit einem Schmunzeln, wie oft es ihm wohl passiert, dass er weiblichen Besuch bekommt, der sich für die Pest im Dreißigjährigen Krieg interessiert.

 Wie gemütlich ist Ihr Schreibtisch eingerichtet?

Ich fühle mich wohl, wenn ein gesundes Gleichgewicht zwischen Ordnung und Chaos um mich herum herrscht. Wichtig sind eine Flasche Wasser oder/und eine Kanne Tee. Wenn ich nachts schreibe, brennt immer eine Kerze (ich liebe Kerzen!). Neben meinem Laptop liegen immer Schreibblock und Kuli, die Literatur zur Recherche, meine Brille. Und sonst… Steine, Fotos meiner Lieben, Karten mit Sprüchen, eine kleine Holzskulptur, ein Kiefernzapfen von der Insel El Hierro, eine kleine Schatulle mit Schnickschnack und ein Tischkalender.

Wie sieht der Arbeitsalltag eines Schriftstellers aus?

Da ich, wie wohl die meisten Autoren, nicht vom Schreiben leben kann, übe ich einen vernünftigen Beruf aus, dem ich von Montags bis Freitags nachgehe. Schreiben findet daher meist an den Wochenenden statt, zu Zeiten, in denen es ruhig ist im Haus, am liebsten dann, wenn alle schlafen, sehr früh am Morgen, sehr spät am Abend und vorzugweise bis weit in die Nacht. Während der Lektoratsarbeiten an meinem Roman habe ich mir feste Schreibzeiten gesetzt, die einzuhalten unerlässlich war, um das Abgabedatum einzuhalten.

Wie machen Sie auf Ihre Werke im Web aufmerksam?

Ein Riesenthema! Mein Verlag übernimmt die Werbung im Internet. So werden die Bücher in den unzähligen Internetbuchhandlungen, auf facebook und der Verlagshomepage beworben, aber ansonsten sind natürlich auch wir Autoren gefragt. Toll sind Internet-Plattformen wie diese hier, darüber hinaus gibt es Informationen auf meiner Homepage oder auf meiner facebook-Seite.  Zurzeit erstelle ich gemeinsame mit einer Medienagentur einen Buchtrailer für Ostrakon-Die Scherbenhüterin.

Wo liegen Ihre Vorlieben als Buchautor bzw. als Leser?

Als Autorin liegen meine Vorlieben eindeutig im Bereich Historischer Roman/Historische Erzählungen, aber daneben schreibe ich auch sehr gern Märchen, die ins Philosophische gehen, die in einer Welt spielen fern der unseren, irgendwo zwischen Traum und Wirklichkeit.

Meine persönlichen Lieblingsautoren sind Carlos Ruiz Zafón, Pascal Mercier und Juli Zeh. Ich mag bei allen dreien ihre besondere ausdrucksstarke Art, mit Worten zu spielen. Wenn ich Bücher von Zafón oder Mercier lese, habe ich immer Papier und Stift in der Nähe, damit ich Formulierungen, Sätze oder Abschnitte, die mich faszinieren, sofort aufschreiben und immer wieder lesen kann.

Welche Ratschläge geben Sie jungen Autoren mit auf den Weg?

Authentisch schreiben – in Thema wählen, mit dem man sich auf irgendeine Art verbunden fühlt. Sich nicht von Rückschlägen bremsen lassen. Schreibkurse besuchen, an der Technik arbeiten, lernen mit Kritik umzugehen. Viel lesen, um zu erfahren, wie die anderen es machen. Mit der Zeit einen eigenen Stil entwickeln. Und nie damit aufhören, an sich zu glauben!

Herzlichen Dank an Frau Abresch für dieses ausführliche  Interview. Wir freuen uns schon auf die Vorstellung Ihres neuen Romans: Ostrakon-Die Scherbenhüterin!

Sie sind Buchautor-autorin, dann wir freuen uns auf Ihr ganz persönliches Interview. Lernen Sie von anderen Autoren, wie diese den Arbeitsalltag bewältigen.